Farbmanagement

Beim theoretischen Vortrag im Digitalkreis am 08.11.2016 zum Thema Farbmanagement kamen Fragen auf i.S.v. “Braucht man das?”, “Geht das nicht zu weit?”. Daher soll es in der Fortsetzung um die Praxis (aus Sicht des Fotografen) gehen – und das Erstaunen (ja, man “braucht” Farbmanagement) war bei vielen groß, spätestens als wir festgestellt haben, wie schwierig es ist seine Fotos korrekt anzeigen zu lassen bzw. Farbmanagement in der Praxis anzuwenden.

Was passiert, wenn man ein Foto mit gängigen Bildbetrachtern öffnet?
In der Regel nicht das, was man erwartet oder erhofft!
Viele kostenlos verfügbare und weit verbreitete Bildbetrachter (hier getestet: Irfanview, FastStone Image Viewer, Windows 10 Foto App, Windows Fotoanzeige) können schlicht kein richtiges Farbmanagement, auch wenn entsprechende Einstellungen in den Optionen dies suggerieren. Lediglich View NX und XNView haben im Test die gleichen Farben wiedergegeben, die das Bild auch in Lightroom hatte. Besonders negativ aufgefallen ist dabei die neue FotoApp von Windows (seit Windows 8), bei der standardmäßig in den Einstellungen “Meine Fotos automatisch verbessern” aktiviert ist – und aktives Farbmanagement so ad absurdum führt. Bei Adobe Lightroom ist auffällig, dass bei der Betrachtung von RAW-Dateien in verschiedenen Modulen unterschiedliche Farbräume verwendet werden: Im Entwickeln-Modul wird ProPhoto RGB verwendet, in allen anderen Modulen AdobeRGB. (Quelle: //helpx.adobe.com/de/lightroom/help/color-management.html#WieLightroomFarbenverwaltet)
Dieses Ergebnis deckt sich mit der Liste der Farbmanagement-fähigen-Programme auf //fotovideotec.de/, auf der noch viele weitere Bildbetrachter und -bearbeitungsprogramme aufgeführt sind.
Die fehlende Farbmanagement-Kompatibilität ist “erschreckend”, wenn man bedenkt, dass die (“korrekte”) Wiedergabe von Bildern doch die Hauptaufgabe (einzige Aufgabe?) der meisten dieser Programme ist und dass die meisten Nutzer (“ahnungslos”) davon ausgehen, dass die Programme ihre Bilder korrekt wiedergeben.

vgl

Ebenso NICHT-Farbmanagement fähig ist die Bestellsoftware von Saal-Digital, was bei Bildbestellungen immer ein etwas mulmiges Gefühl zurück lässt, ob die Fotos wohl wenigstens auf Papier im korrekten Farbraum gedruckt werden? (Bisher: ja)
Auch wenn man Fotos im Browser öffnet zeigt sich, dass die verschiedenen Internetbrowser beim gleichen Bild die Farben unterschiedlich darstellen. Nicht nur, dass teilweise kein korrektes Farbmanagement unterstützt wird, die unterschiedlichen Programme liefern auch untereinander scheinbar willkürlich voneinander abweichende Ergebnisse. Wozu also die Mühe machen Displays zu kalibrieren und auf das Farbmanagement zu achten, wenn viele Endbenutzerprogramme dieses ohnehin nicht unterstützen bzw. die Ergebnisse sogar verfälschen?

 

Ähnlich kontrovers gestaltet sich die Sache bei der Wahl des Farbraumes: Was tun, wenn der sRGB Farbraum für die gewünschte Darstellung nicht reicht? Bilder im AdobeRGB Farbraum veröffentlichen, auch auf die Gefahr hin, dass der Großteil der Nutzer mangels passender Anzeigegeräte und ggf. auch Software gar nicht in der Lage ist, diese korrekt darzustellen? Trotz angeregter Diskussion konnte – auch ob der vielen Unwägbarkeiten in der Praxis – keine einheitlich gültige Lösung gefunden werden.

Auch wenn sRGB der Standardfarbraum für die Veröffentlichung im Internet ist genügt das Ergebnis meinen Ansprüchen als Fotograf in der Praxis oft nicht. Zur Veranschaulichung sei folgendes Beispielbild (unbearbeitet aus der Kamera) angeführt, dessen Türkis im sRGB Farbraum schlicht nicht dargestellt werden kann und in sRGB langweilig wirkt. Das Risiko, dass das Foto im AdobeRGB Farbraum bei vielen Endnutzern nicht dargestellt werden kann, bin ich bereit einzugehen.
zitronevgl(Sollten Sie keinen [deutlichen] Unterschied zwischen den Beiden Versionen erkennen können ist der Farbraum Ihres Monitors wahrscheinlich zu klein, um die entsprechenden Farben darstellen zu können)

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