Ausstellung: Klaus Philipp »Farbiges Licht«

Von 21.09.2022 bis 21.10.2022 Ort: Stadtkirche Darmstadt

Ausstellung: Klaus Philipp »Farbiges Licht«

In die künstlerische Gestaltung wird das Licht nirgendwo sonst so direkt einbezogen
wie bei Bildfenstern in Kirchen. Brillante Farbigkeit kündet von
Erleuchtung, Transzendenz, von religiösen Themen.

Mir ging es hier nicht um das ikonografische Programm von Bildfenstern,
sondern um die faszinierende Farbigkeit mit ihrer hohen Brillanz.

Fotografie ist das Aufzeichnen von Licht.
Im gestalterischen Umgang mit direktem Licht findet die Fotografie ganz zu sich selbst.
Bei längerer Belichtungszeit lässt sich durch gezielte Kamerabewegungen
mit Licht malen.

Gegenständlich-Figürliches wird dabei durch die Verwischung weitgehend getilgt;
die so entstandenen Fotografien sind autonome Farb-Form-Kompositionen.

Die Werkgruppe Farbiges Licht ist Ergebnis eines meiner Langzeitthemen. Seit 30 Jahren
gehe ich in Kirchen überall in Europa meinen Experimenten des gezielt verwischenden
Fotografierens nach. Die jeweiligen Ergebnisse der Aufnahmen sind nicht voraussehbar;
meine Erfahrungen mit der Führung der Kamera während der wenigen Sekunden Belichtung sind aber dienlich.

Generell befasse ich mich thematisch mit künstlerisch Gestaltetem als Thema und Motiv: Bei meiner persönlichen Aneignung von Kunstobjekten übersetze ich das Vorgefundene mit fotografischen Mitteln in eine andere, in meine Bildsprache. Meine Intention ist der freie Umgang mit Farbe und Form und eine Reduktion der Gegenständlichkeit, das Herauslösen von visuell Wesentlichem. Auch in anderen Werkkomplexen thematisiere ich, naheliegend für einen Fotografen, das Licht, gelegentlich ist es dabei das einzig bildgebende Element.

Bildfenster in Kirchen werden auch heute oftmals von Bildenden Künstlern gestaltet. Dabei greifen diese oft auf abstrakte Formen zu. Man denke an Gerhard Richters berühmtes Fenster im Kölner Dom, bestehend aus unzähligen quadratischen Farbfeldern. Oder – sein jüngstes Werk – an die Chorfenster des Klosters in Tholey; hier hat er gespiegelte Ausschnitte aus seinen gemalten Bildern eingesetzt. Auch von Henri Matisse (Vence), Marc Chagall (Mainz), Imi Knoebel (Reims) kennen wir Bildfenster in Kirchen. Alle diese Künstler, ob religiös oder nicht, arbeiten mit der universellen Lichtsymbolik, die darauf beruht, dass Licht Voraussetzung ist für das Erkennen, für Erkenntnis, im besten Falle Erleuchtung. Der christliche Kirchenbau als Ort des Bildfensters ist in der Geschichte Ort des Wissens und der Erleuchtung.

Klaus Philipp, geboren 1949, Studium der Kunsterziehung und der
Kunstgeschichte in Mainz und Hamburg. Kunsterzieher, zuletzt in Darmstadt. Seit 1995 Ausstellungen im In- und Ausland, Veröffentlichungen in Fotozeitschriften und Herausgeber/Autor von Büchern mit Fotografie

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